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Selbsterkenntnis

Die besondere Frucht

 

In diesem Satz spricht der Naturwissenschaftler und Philosoph Ernst Haeckel von der Erkenntis. Der Satz gefällt mir. Ich finde, dass er richtig ist. Natürlich. Denn Herr Haeckel war ein kluger Mann.

 

Dazu ist auch mir etwas eingefallen, was ich Dir gerne sagen will.

 

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Zur Erkenntnis gehört auch die Selbsterkenntnis. Die kann eine sehr bittere Frucht sein.

 

Zu versuchen, sich selber zu verstehen und so objektiv es geht einzuschätzen. Mit dem Ziel, besser zu werden.

 

Das ist sehr schwer, weil man sich dabei von vornherein in Frage stellen muss.

 

Warum ist es eigentlich so, dass man immer Recht haben will ? Kaum einer gibt gerne Fehler zu. Das erklärt sich einfach. Würde man sich selber dauernd sagen, welch bescheuerter hässlicher Versager man eigentlich ist, dann hätte man keine Lust mehr zu leben und auch keine Kraft, sich gegen andere zu behaupten und seine Existenz zu sichern.

 

Ein König könnte sein Reich nicht sichern. Ein Politiker könnte keine Mehrheiten überzeugen. Ein Schauspieler nicht auf die Bühne vor sein Publikum treten.  Man selber würde es nicht schaffen, früh aus dem Haus zu gehen. Es ginge einfach alles nicht.

 

Das heisst, sich selbst gut zu finden ist eine Überlebensstrategie der Natur. Sie gibt uns aber auch die Möglichkeit, aus unseren Fehlern zu lernen. Damit wir uns weiterentwickeln und besser werden. Sonst würden uns eines Tages die eigenen Fehler vielleicht das Leben kosten, wenn wir nichts daraus lernen.

 

Wer glaubt, immer alles richtig zu machen, verändert sich nicht. Und wer das nicht kann, stirbt aus bzw. versagt. Sieht man an Tierarten, politischen Systemen, an Parteien, Industriezweigen, Einzelpersonen.

 

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Lässt man sich einmal aus Versehen einen Stein auf die Füße fallen, merkt man, dass das sehr weh tun kann, man sich eventuell verletzt. Also sollte das möglichst in Zukunft vermieden werden. Man kümmert sich um Besserung. Zieht festere Schuhe an, transportiert Steine anders, passt bei Steinschlag  mehr auf und so weiter. Man analysiert die Situation und zieht Schlüsse daraus, um sich zukünftig anders, nämlich besser, zu verhalten.

 

Bei tückischen Steinen ist das recht einfach, sich sein Fehlverhalten einzugestehen.

 

Was aber ist mit anderen, komplexeren Fehlern ? Gar einem Charakterfehler, der zu uns dazu gehört, zumindest bisher ? Einer schlechten Tat, einem grandiosen Fehlverhalten aus der Vergangenheit, einem alten Verhaltensmuster ?

 

Das kann einem sehr schwer fallen. Sich zu sagen: Hier war oder bin ich schlecht. Da habe ich was Schlimmes gemacht. Oder versagt.

 

 

www.pixabay.com / geralt
www.pixabay.com / geralt

 

Ich selbst habe mich damit herumgeschlagen. Mit Fehlern von oder Eigenschaften an mir, die mir zu schaffen gemacht haben. Was mir dabei sehr geholfen hat, war folgende Strategie, auf die ich irgendwann gekommen bin:

 

Du kannst der ganzen Welt was vormachen, aber sei wenigstens ehrlich zu Dir selbst.

 

Das heißt, ich muss nicht jammernd als Sirene durchs Leben gehen und mich selber schlecht machen und dauernd entschuldigen. Andern die Ohren vollheulen, weil ich wieder was falsch gemacht hab und jetzt die Konsequenzen da sind. Das ist nervig und nicht hilfreich.

 

Nein.

 

Ich bemühe mich um eine gute Haltung, um "Contenance". (Gelingt leider nicht immer). Ist etwas aus der Mode gekommen, diese alte Tugend, sich gefälligst zusammenzureißen. Heute ist es modern, zu jammern, sich zu bemitleiden, sich gehen zu lassen in seinen Äußerungen und unbekümmert jeden mit seinen Problemen zu belästigen. Prominente in den Medien machen es vor. Peinlich und unergiebig für diejenigen selbst.

 

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Und dann bin ich ganz ehrlich zu einer Person: zu mir.

 

Natürlich kann auch ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen, dem Partner, dem erwachsenen Kind, der Mutter, dem Freund, sehr helfen. Aber es gibt Sachen, die macht man vielleicht am liebsten nur mit sich selber ab. 

 

Ist man dabei wirklich gnadenlos ehrlich, kommt nach dem Schmerz (wie schlecht man ist) die Erkenntnis (dass das nicht so bleiben muss). Man ist zwar aus dem Paradies rausgeflogen, wo man sich selber immer gut findet, Recht hat und immer so bleiben kann, wie man ist. Aber erst durch diese Erkenntnis hat man ja die Chance zur Veränderung. So wie im alten Sprichwort "Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung."

 

 

Egal ob beim Steinetragen oder in der Partnerschaft, bei Arbeitsproblemen oder der Erziehung des Kindes, beim Erreichen von Zielen oder der Bewältigung von Trauer, der Änderung schlechter Charaktereigenschaften oder der Verbesserung der körperlichen Fitness.

 

Da geht eigentlich immer was.

 

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Der Baum der Erkenntnis / www.lengerke.de
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